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Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?

Die Antwort hängt weniger an der Anlage als an deinem Tagesablauf. Hier steht die Rechnung, mit der du es für dich selbst ausrechnen kannst.

Die Werbung rechnet gern mit dem vollen Ertrag. Gespart wird aber nur, was du auch selbst verbrauchst — der Rest fließt ins Netz und wird bei einem Balkonkraftwerk in der Regel nicht vergütet.

Die drei Zahlen, aus denen sich alles ergibt

1. Der Jahresertrag. Er hängt an Ausrichtung, Neigung und Verschattung. Als grober Anhalt gilt in Deutschland: Ein nach Süden geneigtes Modul liefert im Jahr grob 800 bis 1.000 kWh je installiertem Kilowattpeak, nach Osten oder Westen deutlich weniger, senkrecht an der Brüstung noch einmal weniger. Eine 1.000-Wp-Anlage landet damit je nach Standort irgendwo zwischen 600 und 900 kWh im Jahr.

2. Dein Eigenverbrauchsanteil. Das ist die Zahl, die entscheidet — und die in keiner Produktbeschreibung steht. Wer tagsüber außer Haus ist und nur Kühlschrank, Router und Standby laufen hat, verbraucht vielleicht 50 bis 60 Prozent selbst. Wer im Homeoffice arbeitet, Wäsche mittags wäscht und einen Elektroherd hat, kommt höher. Genau diese Zahl — und nur sie — hebt ein Speicher: wann sich der Akku rechnet.

3. Dein Strompreis. Gespart wird zum Arbeitspreis deines Tarifs, nicht zu irgendeinem Durchschnitt.

Die Formel: Ersparnis pro Jahr = Jahresertrag × Eigenverbrauchsanteil × Strompreis. Im Rechner ausprobieren. Mit 750 kWh, 55 Prozent und 37 Cent (Durchschnitt 2026 laut BDEW, Stand August 2026) sind das rund 153 Euro im Jahr. Bei einer Anlage für 250 Euro ist der Kaufpreis nach rund 1,6 Jahren wieder drin, bei einer für 700 Euro nach rund 4,6.

Warum die Amortisationszeit trotzdem oft danebenliegt

Drei Dinge werden regelmäßig unterschlagen. Erstens: Wer ein größeres Set kauft, um „mehr zu sparen“, erhöht den Ertrag, nicht den Eigenverbrauchsanteil — der sinkt sogar, weil mittags noch mehr Überschuss anfällt, den niemand braucht. Zweitens: Halterung, Verlängerungskabel und gegebenenfalls eine Wieland-Steckdose kosten extra und stehen selten im Setpreis. Drittens verschiebt sich die Rechnung mit jedem Strompreis, und der ist über zehn Jahre nicht vorhersagbar.

Was dagegen stabil ist: Die Anlage produziert weiter, auch wenn sich der Strompreis ändert. Wer sie zehn Jahre betreibt, hat sie in fast jedem realistischen Szenario mehrfach bezahlt.

Wann es sich eher nicht lohnt

  • Starke Verschattung. Ein Baum oder das Nachbarhaus vor dem Modul kostet nicht ein bisschen Ertrag, sondern viel — Teilverschattung zieht bei in Reihe geschalteten Zellen überproportional herunter.
  • Nordausrichtung. Dann bleibt so wenig übrig, dass sich der Aufwand kaum trägt.
  • Sehr niedriger Tagverbrauch. Wer werktags von sieben bis neunzehn Uhr aus dem Haus ist und abends kocht, verbraucht wenig von dem, was die Anlage liefert.

In allen drei Fällen hilft auch die größere Anlage nicht — sie vergrößert nur den Anteil, der ungenutzt ins Netz geht. Was hilft, ist entweder die Ausrichtung zu ändern oder den Verbrauch in die Mittagsstunden zu verschieben.

Häufige Fragen

Wie viel spart ein Balkonkraftwerk im Jahr?

Das hängt an drei Zahlen: Jahresertrag, Eigenverbrauchsanteil und Strompreis. Eine 1.000-Wp-Anlage liefert je nach Ausrichtung grob 600 bis 900 kWh im Jahr. Wer davon gut die Hälfte selbst verbraucht und 37 Cent je Kilowattstunde zahlt, spart rund 122 bis 183 Euro. Gespart wird nur der selbst verbrauchte Anteil.

Nach wie vielen Jahren hat sich ein Balkonkraftwerk bezahlt?

Bei rund 153 Euro Ersparnis im Jahr ist ein Set für 250 Euro nach rund 1,6 Jahren bezahlt, eines für 700 Euro nach rund 4,6. Halterung und Zubehör kommen dazu und stehen selten im Setpreis.

Bekomme ich Geld für den Strom, den ich einspeise?

In der Regel nicht. Der Überschuss fließt unvergütet ins Netz. Genau deshalb entscheidet der Eigenverbrauchsanteil über die Wirtschaftlichkeit und nicht der Ertrag.

Lohnt sich eine größere Anlage mehr?

Nicht automatisch. Mehr Module erhöhen den Ertrag, aber der Eigenverbrauchsanteil sinkt, weil mittags mehr Überschuss anfällt, den niemand braucht. Eine größere Anlage lohnt vor allem, wenn sie morgens und abends früher beziehungsweise länger die vollen 800 W liefert.

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